Randomisierte, kontrollierte prospektive Multicenterstudie

Primäre onlay- Netzversorgung nach elektiver medianer Laparotomie bei Patienten mit einem BMI ≥ 27

Das Auftreten von Narbenhernien ist eine der wesentlichen Ursachen für anhaltende bzw. sich nach einem mehr oder minder langen Intervall erneut manifestierende Morbidität nach chirurgischen Eingriffen im Abdominalbereich.
Trotz zahlreicher Studien zur optimalen Verschlußtechnik von medianen Laparotomien liegt das Risiko für eine Narbenhernie nach medianer Laparotomie bei 5-20 %. Als hauptsächliche Risikofaktoren für Narbenhernien nach Laparotomie wurden Adipositas, Kortisontherapie, Unterernährung, Nikotingenuß und Bindegewebserkrankungen beschrieben.
Eine suffiziente Methode zur Prävention einer Narbenhernie wurde bis dato nicht entwickelt. Die Verschlußtechnik von medianen Laparotomien ist seit vielen Jahrzehnten unverändert und erfolgt gewöhnlicherweise durch fortlaufende oder Einzelknopf -Naht der Linea alba. Mit wachsendem Interesse wird die Vorbeugung von Narbenhernien mit Hilfe eines primär implantierten Kunststoffnetzes diskutiert, prospektive randomisierte Studien wurden bis dato nicht publiziert.
Hauptrisikogruppe für die Entwicklung einer Narbenhernie stellen neben Patienten mit einem Aortenaneurysma adipöse Patienten dar. Patienten mit einem BMI ≥ 27 haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Narbenhernie nach medianer Laparotomie mit einer Inzidenz von 22% nach 12 Monaten.
Einige Studien haben bereits den Gebrauch und die Sicherheit des primären Wundverschlusses unter Verwendung eines Kunststoffnetzes nach medianer Laparotomie untersucht (Tabelle 1).
In diesen Studien konnte ein deutlich reduziertes Risiko für das Auftreten einer Narbenhernie bei niedriger Infektionsrate nachgewiesen werden, selbst in Anwendung bei kontaminierten Wunden nach Stomaanlage.
Ziel dieser randomisierten kontrollierten Studie zum Vergleich von fortlaufender Naht versus fortlaufender Naht mit zusätzlicher Netzversorgung in onlay Technik ist die Evaluierung der Effektivität zur Vermeidung von Narbenhernien bei adipösen Patienten mit einem BMI ≥ 27.
Aufgrund der seit Jahren routinemäßigen Anwendung der o.g. Operationstechniken ist das durch die Studie für den einzelnen Patienten zu erwartende individuelle Risiko dem generellen postoperativen Risiko gleichzusetzen.
Betrachtet man, in Ermangelung von österreichischen Daten, die Datenlage in Deutschland, wo bei 105.000 Narbenhernienoperationen pro Jahr und Behandlungskosten von 4100 Euro pro Patient insgesamt 128 Mio Euro Gesamtkosten für das Gesundheitssystem, ohne Berücksichtigung der Folgekosten durch Arbeitsunfähigkeit, Rehabilitationsverfahren und frühzeitigen Pensionierungen und eine Rezidivfreiheit vorausgesetzt, anfallen, besteht auch unter dem kontinuierlich ansteigenden ökonomischen Druck der dringende Bedarf nach gezielter Vermeidung von Narbenhernien nach medianer Laparotomie in Risikopopulationen.

Tabelle 1
Author Year Operation 1 No. Patients
With Mesh
2 No. Patients
Without Mesh
Incision Hernia
Group 1
Hernia
Group 2
Follow Up
Gutierrez de la Pena C 2003 Gastro-
intestinal
50 50 Colo
stomy
0 5 36
Rogers M 2003 AAA 28 0 midline 0 N/A ?
Jänus A 2004 Colostomy 27 27

Colo
stomy

0 8 12
Strzelczyk J 2002 Gastric bypass 12 48 midline 0 9 ?
Brandt CP 1995 emergency 
laparotomy
36 0 midline 4 N/A 22.5
Jänus A 2004 parastomale 
hernia
27 27

Colo
stomy

1 13 24
O'Hare 2007 AAA 37 0 midline 1   30

 

STUDIENABLAUF – TO DO
Neuaufnahme eines Patienten
Ein- und Ausschlusskriterien
Aufklärungsgespräch
Unterschreiben der Einwilligungserklärung durch Patient und Arzt
Randomisierung des Patienten: https://www.meduniwien.ac.at/randomizer/web/login.php

Auswahl der OP – Technik
Stratif. Kriterien bereit halten !

BMI = Körpergewicht/(Körpergröße in m)2.
Die Einheit des BMI ist demnach kg/m2.

ASA I: Patient ohne zusätzliche Erkrankung mit kleinerem operativem Problem
ASA II: Patient mit leichter Allgemeinerkrankung ohne Einschränkungen
ASA III: Patient mit Allgemeinerkrankung mit Einschränkungen
ASA IV: Patient mit schweren, komplizierenden Erkrankungen

 

DOKUMENTATION:
Präoperativ
Geburtsjahr, Geschlecht, BMI
Mediane Laparotomielänge
OP- Indikation
Schmerzfragebogen (VAS)
Patientenfragebogen (SF 36)

Postoperativ
Operativer Eingriff
ASA - Klassifizierung
Operateur/OP- Dauer
(Op- Bericht sammeln)
Schmerzfragebogen (VAS)
Patientenfragebogen (SF 36)

2 Wochen post.op
Schmerzfragebogen (VAS)
Patientenfragebogen (SF 36)
Komplikationen
Hämatom, Serom, Wundinfekt (SSI- Klassifizierung)

Nachuntersuchungen 1,2,3 Jahre
Komplikationen
Narbenhernie
(Dekurs in der Ambulanz)
fakultativ Sono

 

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

   

Mitgliedschaft 

Hier können Sie sich als Mitglied der AHC und Empfänger des AHC-Newsletters anmelden

   

Newsletter August 2019

Ich darf Sie heute auf kommende, interessante Fortbildungsveranstaltungen auf dem Gebiet der Hernienchirurgie aufmerksam machen ... 

   

Vortrag Dr. Mayer, Innsbruck, Juni 2019

Hernienversorgung in Österreich - was sagen die Registerdaten? 

   

Newsletter Dezember 2018

Ein hernienchirurgisch interessantes Jahr geht zu Ende. Die Höhepunkte waren sicherlich die spannenden Herniensitzungen am diesjährigen Chirurgenkongress ... 

   

Newsletter Juni 2018

Der 59. Österreichische Chirurgenkongress ist vorüber und auch die österreichische Hernienchirurgie konnte mit interessanten Beiträgen zum Gelingen beitragen ...